Mit Endometriose schwanger werden
Als bei mir Endometriose festgestellt wurde, war mein erster Gedanke nicht: Endlich weiß ich, woher die Schmerzen kommen. Ich dachte nur: Kann ich überhaupt noch schwanger werden?
Mein Mann und ich versuchten zu diesem Zeitpunkt schon seit einiger Zeit, ein Kind zu bekommen. Jeden Monat begann mit Hoffnung und endete irgendwann wieder mit meiner Periode. Dazu kamen Regelschmerzen, die immer stärker wurden. Lange hatte ich gedacht, das gehöre eben dazu.
Mit der Diagnose Endometriose hatte ich endlich eine Erklärung für die Schmerzen – aber gleichzeitig hundert neue Fragen zu unserem Kinderwunsch.
Unsere erste Frage: Kann ich trotz Endometriose schwanger werden?
Mit genau dieser Frage kamen wir ins KinderwunschZentrum Hafencity in Hamburg.
Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, dass es jetzt sofort um künstliche Befruchtung gehen würde. Stattdessen ging es beim ersten Gespräch vor allem um etwas anderes: Wie sehen unsere persönlichen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft überhaupt aus?
Bei mir wurden mein Zyklus, die Eierstöcke und meine hormonelle Situation untersucht. Auch die Eierstockreserve spielte eine Rolle. Gleichzeitig wurde mein Mann mit einbezogen und ein Spermiogramm durchgeführt.
Das war für mich überraschend wichtig. Seit meiner Endometriose-Diagnose hatte ich unseren unerfüllten Kinderwunsch fast nur noch als mein Problem betrachtet.
Im Gespräch wurde uns von Dr. Krämer erklärt, dass Endometriose eine Schwangerschaft erschweren kann, aber nicht automatisch Unfruchtbarkeit bedeutet. Je nachdem, wo die Endometriose sitzt, können beispielsweise die Eierstöcke, die Eileiter oder das Zusammenspiel der Organe im Becken betroffen sein. Welche Behandlung sinnvoll ist, muss deshalb individuell entschieden werden. Genau diesen individuellen Ansatz empfiehlt auch die ESHRE-Leitlinie zur Behandlung von Endometriose und endometriosebedingtem unerfülltem Kinderwunsch.
Erst einmal verstehen, welche Behandlung zu uns passt
Nach der Diagnostik haben wir unsere Möglichkeiten besprochen. Bei Endometriose gibt es nicht die eine Kinderwunschbehandlung. Je nach Befund können beispielsweise eine hormonell unterstützte Behandlung mit Insemination (IUI) oder eine künstliche Befruchtung mittels IVF infrage kommen.
Bei einer IUI werden aufbereitete Spermien rund um den Eisprung direkt in die Gebärmutter eingebracht. Mir wurde erklärt, dass das beispielsweise dann eine Möglichkeit sein kann, wenn die Voraussetzungen für eine Befruchtung grundsätzlich günstig sind und die Eileiter „funktionieren“.
Wir haben diesen Weg ebenfalls besprochen.
Am Ende entschieden wir uns aufgrund meiner persönlichen Situation gemeinsam für eine IVF – eine In-vitro-Fertilisation.
Für mich war diese Entscheidung zunächst ein großer Schritt. Gleichzeitig hatte ich zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, nicht mehr jeden Monat einfach nur hoffen zu müssen.
Die hormonelle Stimulation war weniger schlimm, als ich gedacht hatte
Vor der Behandlung hatte ich vor allem Angst vor den Hormonen und der Eizellentnahme. Bei einer IVF werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, damit mehrere Eizellen heranreifen können. Während dieser Zeit wurde bei mir mit Ultraschall kontrolliert, wie sich die Follikel entwickelten. Natürlich war das Spritzen am Anfang ungewohnt. Nach einigen Tagen gehörte es aber erstaunlich schnell zum Alltag. Ich glaube, emotional war diese Phase schwieriger als körperlich. Bei jedem Ultraschall hoffte ich auf die richtige Zahl und die richtige Größe der Follikel. Plötzlich wusste ich Dinge über meine Eierstöcke, über die ich mir zuvor noch nie Gedanken gemacht hatte.
Vor der Behandlung haben wir auch über den Unterschied zwischen IVF und ICSI gesprochen. Bei der IVF werden Eizellen und Spermien im Labor zusammengebracht. Bei einer ICSI – Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion – wird dagegen ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht. Welche Methode eingesetzt wird, hängt nicht allein von einer Endometriose ab, sondern unter anderem auch vom Spermiogramm und der individuellen Befundkonstellation. Das KinderwunschZentrum Hafencity bietet sowohl IVF als auch ICSI an.
Bei uns fiel die Entscheidung auf die für unsere Situation passende Methode – IVF. Und dann kam der Tag der Eizellentnahme. Ich war unglaublich nervös. Gleichzeitig war es ein gutes Gefühl zu wissen: Jetzt passiert tatsächlich etwas.
Nach der Eizellentnahme hieß es wieder warten. Welche Eizellen hatten sich befruchten lassen? Wie entwickelten sie sich? Ich weiß noch, wie merkwürdig es sich anfühlte, dass etwas, auf das wir so lange gewartet hatten, plötzlich im Labor stattfand und wir zu Hause saßen. Am Folgetag die Erlösung. Von der 10 Eizellen waren 7 befruchtet. Dann kam der Embryotransfer. Beim Embryotransfer wird der entstandene Embryo mit einem dünnen Katheter in die Gebärmutter übertragen. Dieser Schritt gehört sowohl zur IVF- als auch zur IVF/ICSI-Behandlung.
Und danach heiß es: Abwarten und hoffen. Ich hatte mir vorgenommen, nicht auf jedes Ziehen zu achten. Das hat ungefähr einen halben Tag funktioniert…
Als ich schließlich einen Schwangerschaftstest machte, musste ich zweimal hinschauen. Da war tatsächlich ein zweiter Strich. Sehr blass. Ich rief meinen Mann und fragte nur: „Siehst du den auch?“ Er sah ihn.
Ich bin schwanger. Trotz Endometriose.
Wenn ich heute noch einmal am Anfang stehen würde, würde ich weniger Zeit damit verbringen, im Internet nach einer Prozentzahl zu suchen, die mir sagt, wie wahrscheinlich eine Schwangerschaft mit Endometriose ist. Denn genau diese eine Zahl gibt es nicht. Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinflussen. Entscheidend sind aber auch das Alter, die Eierstockreserve, die Eileiterfunktion, die Ausprägung der Endometriose, das Spermiogramm des Partners und viele weitere individuelle Faktoren. Deshalb war für mich der wichtigste Schritt, meine eigene Situation untersuchen zu lassen.
Im KinderwunschZentrum Hafencity haben wir nicht nur darüber gesprochen, dass ich Endometriose habe. Wir haben darüber gesprochen, welcher Weg für uns zu einer Schwangerschaft führen kann. Bei uns war dieser Weg eine Kinderwunschbehandlung mit künstlicher Befruchtung. Bei einer anderen Frau kann es eine andere Behandlung sein – eine hormonelle Unterstützung, eine IUI, eine IVF oder gegebenenfalls eine ICSI.
Für mich bedeutete die Diagnose Endometriose am Anfang vor allem Angst.
Heute verbinde ich damit noch etwas anderes: Unser Weg war schwierig. Aber er hat funktioniert.