Wie die ZyMot-Kammer die Spermienselektion revolutioniert

Lange Zeit lag der Hauptfokus in der Kinderwunschmedizin vor allem auf der Eizelle und der Gebärmutter. Doch wir wissen heute sehr genau: Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch beim Mann. Ein gesundes, genetisch intaktes Spermium ist unerlässlich für eine stabile Embryonalentwicklung. Genau hier setzen wir in unserem hochmodernen Labor auf eine bahnbrechende Technologie, die wir Ihnen heute vorstellen möchten: die mikrofluidische Spermienselektion mittels ZyMot-Kammer.

Das Problem mit dem Standard: Warum klassische Methoden Spermien stressen können                    

Bei herkömmlichen Methoden der Spermienaufbereitung, wie der Dichtegradientenzentrifugation, wird die Samenprobe des Mannes im Labor mehrfach zentrifugiert. Das bedeutet, sie wird mit hoher Geschwindigkeit geschleudert, um die beweglichen Spermien von den unbeweglichen Zellen, Bakterien und der Samenflüssigkeit zu trennen. Obwohl dieses Verfahren seit Jahrzehnten weltweit erprobt ist, birgt es aus medizinischer Sicht einen entscheidenden Nachteil: Durch die enormen physikalischen Fliehkräfte beim Schleudern entsteht in der Probe sogenannter oxidativer Stress. Freie Sauerstoffradikale werden freigesetzt, die die empfindliche Membran der Spermien und schlimmer noch, deren Erbgut schädigen können. Die Folge sind mikroskopisch unsichtbare Brüche im Erbgut, die wir als DNA-Fragmentierung bezeichnen. Ein Spermium mag unter dem Mikroskop zwar agil aussehen, trägt aber im Inneren beschädigte genetische Informationen, was die Befruchtung erschweren oder das Risiko für Fehlgeburten erhöhen kann.

Die ZyMot-Kammer: Ein künstlicher Hindernislauf nach dem Vorbild der Natur            

Auf dem natürlichen Weg zur Eizelle muss das Spermium im weiblichen Körper unzählige Barrieren überwinden – vom zähen Schleim des Gebärmutterhalses bis hin zu den feinen Verästelungen der Eileiter. Nur die fittesten, schnellsten und vor allem genetisch gesündesten Spermien schaffen diesen anstrengenden Weg. Die ZyMot-Kammer ahmt diesen natürlichen Selektionsprozess im Labor perfekt nach. Es handelt sich dabei um ein flaches, innovatives Einkammersystem, das mit einer hochsensiblen Filtermembran ausgestattet ist. Diese Membran verfügt über mikroskopisch kleine Kanäle – eine künstliche Nachbildung des Gebärmutterhalskanals. Der Ablauf bei uns im Labor gestaltet sich denkbar sanft und einfach, indem die verflüssigte Samenprobe zunächst ganz ohne vorheriges Zentrifugieren in die untere Kammer gegeben wird. Direkt darüber befindet sich die hochsensible Filtermembran, gefolgt von einer oberen Kammer, die mit einer nährstoffreichen Kulturflüssigkeit gefüllt ist. Anschließend überlassen wir den Samenzellen die Arbeit, sodass sie aus eigener Kraft aktiv durch die mikroskopisch kleinen Poren der Membran nach oben schwimmen müssen.

Die Physik und Biologie arbeiten hier Hand in Hand: Nur die Spermien, die eine exzellente Vorwärtsbeweglichkeit besitzen, eine normale äußere Form aufweisen und frei von strukturellen Schäden sind, schaffen es durch diesen mikrofluidischen Filter. Die unbeweglichen Zellen, beschädigte Spermien sowie störende Begleitzellen bleiben dagegen in der unteren Kammer zurück.

Warum wir im Kinderwunschzentrum von der ZyMot-Technologie überzeugt sind?

 Für unser Team steht die Sicherheit Ihrer zukünftigen Familie an erster Stelle, weshalb die mikrofluidische Spermienselektion aus unserer ärztlichen und biologischen Sicht unschätzbare Vorteile bietet. Ein wesentlicher Aspekt ist die Schonung der DNA-Integrität, da wir durch den Verzicht auf die Zentrifugation den oxidativen Stress auf ein absolutes Minimum reduzieren und somit das Erbgut bestmöglich schützen können. Darüber hinaus beobachten wir in unserem Labor eine verbesserte Embryonenqualität, so dass sich Eizellen, die mit dieser sanften Methode befruchtet wurden, oft stabiler entwickeln und tendenziell häufiger das wichtige Blastozystenstadium am fünften Entwicklungstag erreichen. Dies führt im nächsten Schritt zu erhöhten Einnistungs- und Schwangerschaftsraten, da ein genetisch intakter Embryo wesentlich bessere Chancen besitzt, sich erfolgreich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Zugleich hilft die sanfte Selektion nachweislich dabei, das Risiko für frühe Schwangerschaftsverluste effektiv zu reduzieren, da DNA-Schäden im Spermium eine häufige, oft unentdeckte Ursache für Fehlgeburten darstellen.

Für welche Paare ist die ZyMot-Kammer besonders zu empfehlen?                                                  

Grundsätzlich ist das Verfahren so konzipiert, dass es bei fast jeder künstlichen Befruchtung eingesetzt werden kann, doch wir empfehlen die ZyMot-Kammer ganz besonders in spezifischen klinischen Situationen. In erster Linie für ICSI Behandlungen, sowie bei zuvor erfolglosen Behandlungszyklen, bei denen es trotz guter Eizellen zu einer unzureichenden Embryonalentwicklung kam, kann dieser Ansatz den entscheidenden Unterschied machen. Ebenso raten wir bei wiederholten Fehlgeburten zu dieser sanften Selektion, um die biologische Stabilität der Embryonen von Grund auf zu stärken, sowie bei einem fortgeschrittenen Alter des Partners, da mit den Jahren der oxidative Stress und damit die genetischen Schäden in den Spermien natürlicherweise zunehmen.

Ein wichtiger Hinweis aus unserem Labor bleibt jedoch, dass für die Nutzung der Kammer eine gewisse Mindestanzahl an beweglichen Spermien vorhanden sein muss, weshalb das Verfahren bei extremen Einschränkungen der Fruchtbarkeit oder nach einer operativen Samengewinnung aus dem Hoden leider nicht anwendbar ist und wir in diesen Fällen auf andere optimierte Methoden zurückgreifen.

Für uns Mediziner ist die ZyMot-Kammer ein wunderbares Beispiel dafür, wie moderne High-Tech-Medizin die natürlichen Bedingungen nachahmt, um das beste Spermium für jede Eizelle zu finden.

 

 

Infoabende jeden 2. Dienstag im Monat um 18 Uhr

Wir bitten um telefonische Anmeldung unter 040-30088100
oder unter kontakt@kinderwunsch-hafencity.de

Nächste Termine:

14.05.2024

11.06.2024

09.07.2024

Anfahrt
Überseeallee 1 · 20457 Hamburg
Fon 040 30088100
kontakt@kinderwunsch-hafencity.de

Kontakt

Falls Sie mit dem PKW zu uns kommen, haben Sie die Möglichkeit direkt im Sumatrakontor in der Tiefgarage „Überseequartier“ zu parken.

Anfahrt

Anfahrt mit dem HVV

Öffnungszeiten

Montag , Dienstag, Donnerstag
7.00 bis 19.00 Uhr

Mittwoch, Freitag
7.00 bis 15.00 Uhr

Montag bis Samstag
zusätzlich nach besonderer Vereinbarung